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Für eine handvoll Pillen – Süßer die Glocken nie klingen? 2. Februar 2011

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Der Vorgänger: Anna – Die Weddingplanerin

“Oh Rotschopf, ich liebe Dich schon so lange, ich verehre den Boden auf dem Du läufst, ich würde alles für Dich tun. Willst Du meine Frau werden? Willst Du mich heiraten?”.
Ich blickte durch einen Schleier von dunkelroten Haaren, die sich aus meinem Zopf gelöst hatten hinunter auf den Mann, der mir gerade einen Heiratsantrag gemacht hatte. Vanderhoff!
“Ich fühle mich gefesselt.”
Es war eine Feststellung, kein Anflug romantischer Gefühle. Wütend zerrte ich an den Seilen, die meine Arme mit den Stuhllehnen verbanden, aber es tat sich nichts.
“Vanderhoff, verflucht nochmal, was soll das? Mach mich sofort los!”.
Grinsend erhob sich der Mann vor mir. Er war groß, sehr groß. Seine langen Haare umschwärmten ihn und gaben ihm ein verwegenes Aussehen.
“Du hast immer noch Feuer im Blut Rotschopf. Deshalb will ich genau dich! Ich werde meine kleine Widerspenstige schon zähmen.”.
Ohne das ich es wollte lief mir ein Schauer über den Rücken. Der Mann vor mir war pure Leidenschaft. Er war gebildet, reich und verdammt gut gebaut. Wir waren ein Paar, hatten intensive Monate voller Leidenschaft miteinander verbracht, aber dann war ich geflohen. Vanderhoffs Vater war ein einflussreicher Mann, ich hatte nie herausgefunden, was er war, aber ich wusste, dass er es nicht gewohnt war ein Nein zu hören. Er hatte mir Avancen gemacht und bevor ich sein Angebot hätte ablehnen müssen war ich geflohen und als Investmentbankerin um die Welt gejettet, nie lange genug an einem Ort, um Wurzeln schlagen zu können.
“Niemals! Ich bin kein Spielzeug! Nicht für dich und auch nicht für Gerome.”
Vanderhoff streichelte sanft meine Wange.
“Sei unbesorgt meine Liebste. Vater hat mir alles gebeichtet. Er will, dass Du zu mir zurückkehrst und unsere Dynastie mit mir fortsetzt. Er ist alt geworden, er wünscht sich ein ruhiges Leben und Enkelkinder.”
Ich schauderte erneut. Es klang so verlockend, so verführerisch, zum schwach werden. Aber wo war der Haken? Es gab immer einen Haken, das hatte mich meine Arbeit gelehrt.
“Ich kann nicht. Ich habe eine wunderbare Bar, die Menschen brauchen mich dort in Defihausen. Ich sorge für ihre Unterhaltung, bin ihr Seelentröster, der Ort, an dem sie ihre Sorgen vergessen können. Ich kann und will sie nicht im Stich lassen.”.
Grauenhaft liebevoll sah mich Vanderhoff an. Ich wollte ihn schlagen und küssen. Auf ihn einprügeln und ihn behüten. Ihn wegstoßen und ihn an mich ziehen.
Noch war ich Willensstark.
“Mach mich sofort los! Warum fesselst Du mich überhaupt und wie bin ich hergekommen?”
Vanderhoff kniete sich wieder vor mich und sah mir fest in die Augen. Sein Blick bohrte sich in meine Seele.
“Ich wollte sichergehen, dass Du mir zuhörst. Meine Leute haben dich hergebracht. Ich will dich mehr als je zuvor und unser Wiedersehen konnte ich nicht dem Zufall überlassen!”.
“Dann kannst Du mich jetzt gehen lassen. Wir haben uns alles gesagt. Dein Vater hat unsere Liebe damals zerstört. Es ist zu spät!”.
Fest sah ich Vanderhoff in die Augen, einen winzigen Augenblick glaubte ich, dass ich gesiegt hatte. Ich irrte mich und ich hatte unterschätzt wie sehr er in diesem Augenblick mein Ja gewollt hatte.
Vanderhoff streichelte mit einem verführerischen Lächeln mein Gesicht.
“Unsere Hochzeit wird in zwei Wochen statt finden. Du wirst eine wunderschöne und vor allem kluge Braut sein. Dann werden sich alle Bewohner, wirklich alle Bewohner von Defihausen mit uns freuen können!”.
Ich schluckte und nickte. Ich saß in der Falle. Wollte ich ein Stück von meinem bisherigen Leben beibehalten, würde ich heiraten müssen, die nicht ausgesprochene Drohung hatte ein Bild der Zerstörung von Defihausen in meinen Gedanken entstehen lassen und nur so konnte ich es verhindern.
“Eine Schneiderin wird gleich eintreffen, um Maß für Dein Kleid zu nehmen. Ich bitte darum, dass Du ihr deine Wünsche genau mitteilst. Danach kommt ein Architekt, ich habe ihm bereits meine Wünsche für unsere Villa genannt, Deine sollen noch einfließen. Ich baue Dir ein Traumschloss in Defihausen.”.
Vanderhoff band mich los und zog mich an sich.
“Rotschopf, ich tue dies alles nur aus Liebe zu Dir. Ich will dich glücklich machen. Bitte liebe mich ebenso sehr!”.
Ich fühlte mich zerrissen. Wieso kämpfte er nicht um mich, warum warb er nicht um mich, warum zwang er mich? In meinem Kopf kämpften die widerspenstigsten Gedanken, aber eines war mir bewusst, ich musste mich seinen Wünschen fügen, sonst würden Defihausen und seine Einwohner für meine Weigerung büßen. Einen gewissen Spielraum hatte ich aber und den würde ich ausnutzen.
“Ja, wir heiraten.” säuselte ich. Vanderhoff standen Tränen in den Augen.

 

 
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